Die Linke.SDS Köln

Zitat der Woche, 28.10.2013: Hegel über kulturelle Entwicklung

Montag 28. Oktober 2013 von Ш.Ю. Голц

Für Hegel stellt sich kulturelle Entwicklung als typischer Fall seines üblichen Dreischnitts dar. Die hier zitierte Metapher enthält alles Wesentliche, dem wir aber eine kleine Interpretationshillfe beifügen wollen:

(1) Der Geist an sich. Das subjektive Empfinden, d.h. unsere sittlichen und ästhetischen Ideen, wie wir sie selbst rein introspektiv erfassen können und die dennoch alle Macht über uns haben.

(2) Der Geist für sich. Die Betrachtung der Kultur und Technologie anderer, sei’s nun im eigenen Lande, oder die des Auslands, im Sinne des objektivierten Geistes. Der Weg der Erkenntnis, für den Deutschen Idealismus fast unvermeidlich, wird hermeneutisch gedacht, und zwar in klarer Abgrenzung von verstehender Psychologie. Letztere ist naturalistisch und damit Tabu.

(3) Der Geist an und für sich. Die Verschmelzung der eigenen subjektiven Wertung mit der objektivierbaren Beobachtung. Hierdurch verbinden sich Sein und Sollen zu einer Agenda.

Die Berührung mit der fremden Kultur ist dabei immer eine wichtige Inspirationsquelle. Diese muss allesdings nicht notwendigerweise „im Morgenlande“ beheimatet sein, so dass die Ideen nur von Osten nach Westen wandern. Z.B. für die западники und auch für Sun Yat-sen ging die Sonne im Westen auf.

„Die Sonne, das Licht geht im Morgenlande auf. Das Licht ist aber die einfache Beziehung auf sich, dass in sich selbst allgemeine Licht ist zugleich als Subjekt, in der Sonne. Man hat oft die Szene geschildert, wenn ein Blinder plötzlich sehend würde, die Morgendämmerung schaute, das werdende Licht und die aufflammende Sonne. Das unendliche Vergessen seiner selbst in dieser reinen Klarheit ist das erste, die vollendete Bewunderung. Doch ist die Sonne heraufgestiegen, dann wird diese Bewunderung geringer; die Gegenstände umher werden erschaut, und von ihnen wird ins eigene Innere gestiegen und dadurch der Fortschritt zum Verhältnis beider gemacht. Da geht der Mensch dann aus tatlosem Beschauen zur Tätigkeit heraus und hat am Abend ein Gebäude erbaut, das er aus seiner inneren Sonne bildete; und wenn er dieses am Abend nun anschaut, so achtet er es höher als die erste äußerliche Sonne. Denn jetzt steht er im Verhältnis zu seinem Geiste und deshalb im freien Verhältnis. Halten wir dies Bild fest, so liegt schon darin der Gang der Weltgeschichte, das große Tagwerk des Geistes.“ [1]

[1] Hegel, G.W.F.: „Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte“, Stuttgart 2002, S. 167-168.


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