Die Linke.SDS Köln

Zitat der Woche, 25.11.2013: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Montag 25. November 2013 von Ш.Ю. Голц

Der Begriff der Ganzheit oder auch Totalität ist für das Verständnis des Marxismus von großer Bedeutung. Im englischen Sprachraum spricht man auch gerne vom „Globe“. (Besonders modebewusste Modephilosophen übrigens auch.)

Durch dieses Konzept werden Phänomene verständlich, die durch eine Analyse aller einzelnen Elemente nicht nachvollziehbar und irgendwie rätselhaft sind. Wir geben hier die Beschreibung von Georg Klaus aus dem Wörterbuch der Kybernetik.

Ganzheit: System, das Eigenschaften und Verhaltensweisen zeigt, die sich nicht mit den Eigenschaften und Verhaltensweisen der Elemente dieses Systems decken bzw. aus ihnen ableiten lassen. Für die Kybernetik sind vor allem zwei Typen der Ganzheit von Bedeutung.

Stofflich-energetische Ganzheiten sind ein wichtiger Untersuchungsgegenstand der kybernetischen Systemtheorie. Es erweist sich als möglich, eine Theorie aufzubauen, die von der besonderen stofflich-energetischen Beschaffenheit abstrahiert und allgemeine Aussagen über die Entstehung und Entwicklung von Ganzheitseigenschaften und -verhaltensweisen zu machen gestattet. Bemerkenswerte Betrachtungen wurden hierzu [in den 70er Jahren] insbesondere von O. Lange angestellt, der sich darum bemüht hat, dem Begriff der Ganzheit und den Gesetzmäßigkeiten, denen die Entwicklung von Ganzheiten unterworfen ist, eine strenge mathematische Form zu geben.

Informationelle Ganzheiten treten in der Informationstheorie als Objekt der Forschung auf. So erhalten z.B. die einzelnen Töne, aus denen sich eine Melodie zusammensetzt, oder die verschiedenen Farbelemente eines Bildes je nach der Art der Kombination der Grundelemente für den ganzheitlich wahrnehmenden Menschen eine ganz verschiedene Ausdrucksqualität. Die einzelnen Töne, aus deren Anordnung sich die Struktur der Melodie ergibt, oder die Farbverteilungen auf dem Bilde bestimmen sich als Glieder der Ganzheit in ihrer Eigenart gegenseitig und ergeben insgesamt einen vom Charakter der Einzelelemente verschiedenen Charakter des Ganzen.

Die Philosophie verbindet mit dem Begriff der Ganzheit die Frage nach dem Verhältnis von Teil und Ganzem, die prinzipiell beantwortet werden kann, wenn man dieses Verhältnis als spezifische Form des Gesetzes vom Übergang quantitativer Veränderungen in qualitative Veränderungen auffasst. Die auf der Basis des dialektischen Materialismus durchgeführte kybernetische Analyse der Ganzheit entzieht idealistischen Interpretationen dieses Phänomens (Vitalismus, Holismus) die Grundlage.“ [1]

[1] Georg Klaus (Hrsg.): „Wörterbuch der Kybenetik“, (Ost-)Berlin 1968, S. 221-222.


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