Die Linke.SDS Köln

Alternativen Denken - Sommer 2012

Montag 2. April 2012 von Ш.Ю. Голц

Auch in diesem Sommersemester konnte unter Mitwirkung des SDS Kölle die Ringvorlesung „Alternativen Denken“ organisiert werden. Die Teilnahme ist allen Aktivisten des SDS und der Linksjugend wärmstens zu empfehlen. - Die Veranstaltung ist offen, und kann von allen Interessenten besucht werden.

Für den Hörsaal, einfach www.uni-koeln.de/uni/plan/in... besuchen, und in der Suchmaske "Raum 369" eingeben.

„The fundamental cause of the trouble is“, sagt Bertrand Russell, „that in the modern world the stupid are cocksure while the intelligent are full of doubt.“ Selbst diejenigen unter den Vernünftigen, die glauben ein allgemeines Anliegen zu vertreten, seien zu eitel, um sich mit anderen zu einigen und zur Tat zu schreiten.

Das erstgenannte Problem ist in der Gegenwart allgegenwärtig. Es hat mit dem Unwort „Gutmensch“ sogar Eingang in die Sprache gefunden: Selbstigkeit wird zu Realismus und damit zur Tugend verklärt, der dann als Laster Zweifel und Streben nach Gerechtigkeit gegenübergestellt wird.

Ob aber auch wir heutigen Studierenden den Vorwurf verdient haben, zu eitel zu sein, um etwas zu bewegen, sei dahin gestellt. Wir sollten Russells Diktum vielmehr als Herausforderung begreifen. Denn dass wir genau so sein werden, ist nur eine Möglichkeit. Es gibt noch eine andere. Die Möglichkeit, die Herausforderung an unsere Generation anzunehmen, d.h. gerade zu denjenigen zu werden, die zur Tat schreiten.

In diesem Sinne möchte der AStA seinen Beitrag leisten, und hat daher erneut die Ringvorlesung „Alternativen Denken“ organisiert.

Im ersten Teil der Vorlesung, wird die Frage behandelt werden, was gute Wissenschaft leisten muss, und welche Verantwortung wir übernehmen, wenn wir einen Beruf in Forschung und Lehre ergreifen. Hierzu werden sowohl philosophische Standpunkte wie z.B. von Bertolt Brecht, also auch Probleme aus der Praxis behandelt.

Die Vorlesung findet im Hörsaal 369, IBW-Gebäude an der HumF statt. Jeweils Donnerstags ab 17:45 Uhr.

Terminübersicht :

1) 12. April 2012 – Torsten Bultmann (BdWi)

Ungleichheit als Programm – zur Kritik der sog. „Exzellenzinitiative“

Im Juni 2012 fallen die Förderentscheidungen für die 2. Runde der sog. „Exzellenzinitiative“. Dabei geht es um insgesamt 2,7 Milliarden Euro. Dieses Programm wird von seinen Verfechtern als historischer Paradigmenwechsel inszeniert: Weg von der Idee der grundsätzlichen Gleichwertigkeit aller Universitäten – hin zu einer ausdrücklich gewollten Ungleichheit in der Leistungsbewertung und Finanzausstattung. Vor dem Hintergrund einer historischen Einordnung des Elitenmotivs in der deutschen Hochschulpolitik sollen im Vortrag deren Widersprüche und kritische Einwände erläutert werden.

2) 19. April 2012 -Dr.-Ing. Peter Brödner (IAT, Gelsenkirchen)

Ingenieurarbeit zwischen professioneller Verantwortung und funktionselitärer Verführung

Einführend werden einige grundsätzliche Aussagen zum professionellen Selbstverständnis von Ingenieuren und zu den Dilemmata zwischen ihren tatsächlichen Funktionen als Arbeitenden und ihrer Verantwortung als gesellschaftlichen Individuen gemacht, in die sie im Berufsalltag geraten (können). Diese Dilemmata werden dann anhand von Beispielen aus dem eigenen beruflichen Arbeitsumfeld erhellt. Abschließend werden handlungsorientierte Schlussfolgerungen gezogen.

3) 26. April 2012 – Prof. Dr. Jan Knopf (KIT, Karlsruhe)

Brechts Galilei zwischen Widerstand und Anpassung

Als Galileo mit seinem Fernrohr die Jupitermonde entdeckte, meinte er, endgültige Beweise für die das kopernikanische System gefunden zu haben, erkannte aber nicht, dass er damit das gesamte Glaubenssystem der Kirche aushebelte, und sogar die soziale Ordnung aus dem Gefüge brachte. Was Galileo tat – einen neuen, bisher unsichtbaren Raum für den Menschen zu erschließen und zu betreten – das war einerseits der Beginn der neuzeitlichen Wissenschaft, aber damit andererseits der Beginn für die Naturwissenschaften als Geheimwissenschaften im Dienste von Privatinteressen.

4) 03. Mai 2012 – Prof. Dr. Dietrich Böhler (Hans-Jonas-Zentrum, Berlin)

In der Gefahrenzivilisation – Verantwortung neu denken

Als die Industriegesellschaften der nördlichen Halbkugel im Jahre 1972 vom Club of Rome die erste drastische Warnung vor den ökologischen Langzeitgefahren des wirtschaftlichen Wachstums und den kumulativen Folgeschäden der technologischen Zivilisation erhielten, waren die Philosophen, die die Ethik hatten verkümmern lassen, auf die neuen Probleme sehr schlecht vorbereitet. Vor diesen Hintergrund entwickelte Hans Jonas seine berühmt gewordene „Ethik der Verantwortung“, die eine bis heute unübertroffene Grundlegung des grünen Gedankens darstellt.

5) 10. Mai 2012 – Dipl.-Päd. Dieter Asselhoven („school is open“, Köln)

Der braune Campus – Die Uni Köln 1933-45

Welch’ größeren Alptraum könnte es für die kritische Wissenschaft geben, als eine faschistische Universität? Doch es war kein Traum, sondern bittere Realität. Die Eröffnung des damals neuen Hauptgebäudes der Universität zu Köln durch Reichserziehungsminister Bernhard Rust am 5. April 1935 steht sinnbildlich für die Machtergreifung am Katheder. Gleichgeschaltet durch den NS-Dozentenbund und NSDStB, galt nicht mehr die Frage „Warum?“, sondern nur noch „Wie?“ – denn über den Zweck von Forschung und Lehre entschied nunmehr allein der Führer.

- http://www.asta.uni-koeln.de/2012/0...


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