Die Linke.SDS Köln

Zitat der Woche, 02.12.2013: „When all else fails, baffle them with Bullshit“

Montag 2. Dezember 2013 von Ш.Ю. Голц

Harry G. Frankfurt analysiert in seinem gleichnamigen Schriftchen den Begriff „Bullshit“. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Max Black mit „The Prevalence of Humbug“ der Lösung bereits nahe gekommen sei. Bullshit ist purer Opportunismus. Es kommt nicht darauf an, das Richtige zu sagen, sondern nur noch darum, dass es irgendwie richtig oder wenigstens schlau klingt - und dann von dafür gehalten wird.

„HUMBUG: insbesondere durch hochtrabendes Gehabe in Wort und Tat irreführende und verfälschende, an Lüge grenzende Darstellung eigener Gedanken, Gefühle oder Einstellungen.“ [1]

Worin besteht nun aber der Unterschied zur Lüge?

„Für die meisten Menschen ist die Falschheit einer Aussage Grund genug, sie gar nicht erst zu machen, so schwach und vernachlässigbar dieser Grund auch sein mag. Für den echten, von Augustinus als ’lügenhafter Mensch’ bezeichneten Lügner ist die Falschheit dagegen gerade der Grund, weshalb er sie macht. Für den Bullshitter ist die Falschheit der Aussage weder ein Grund für das eine noch für das andere. Menschen lassen sich von ihren Überzeugungen hinsichtlich der Beschaffenheit der Dinge leiten, und zwar sowohl wenn sie die Wahrheit sagen, als auch wenn sie lügen. Der eine lässt sich davon leiten, um die Welt korrekt zu beschreiben, der andere, um sie falsch darzustellen. Aus diesem Grund fördert das Lügen nicht in derselben Weise die Unfähigkeit zur Wahrheit, wie dies für Bullshitten gilt.

Wenn jemand sich exzessiv dem Bullshitten hingibt, also nur noch danach fragt, ob Behauptungen ihm in den Kram passen oder nicht, kann seine normale Wahrnehmung der Realität darunter leiden. Der Lügner und der der Wahrheit verpflichtete Mensch beteiligen sich gleichsam am selben Spiel, wenn auch auf verschiedenen Seiten. Beide orientieren sich an den Tatsachen, nur dass der eine sich dabei von der Autorität der Wahrheit leiten lässt, während der andere diese Autorität zurückweist und es ablehnt, ihren Anforderungen zu entsprechen. Der Bullshitter hingegen ignoriert diese Anforderungen in toto. Er weist die Autorität der Wahrheit nicht ab und widersetzt sich ihr nicht, wie es der Lügner tut. Er beachtet sie einfach gar nicht. Aus diesem Grunde ist Bullshit ein größerer Feind der Wahrheit als die Lüge. [...] [2]

Die gegenwärtige Verbreitung von Bullshit hat ihre tieferen Ursachen auch in diversen Formen eines Skeptizismus, der uns die Möglichkeit eines zuverlässigen Zugangs zur objektiven Realität abspricht und behauptet, wir könnten letztlich gar nicht erkennen, wie die Dinge Wirklich sind. Diese ’antirealistischen’ Doktrinen untergraben unser Vertrauen in den Wert unvoreingenommener Bemühungen um die Klärung der Frage, was wahr und was falsch ist, und sogar unser Vertrauen in das Konzept einer objektiven Forschung.“ [3]

[1] vgl. Max Black: „The Prevalence of Humbug“, Ithaca 1985, S. 143.

[2] Harry G. Frankfurt: „Bullshit“, Frankfurt-am-Main 2013, S. 66-68.

[3] Ebenda, S. 71-72.


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