Die Linke.SDS Köln

Zitat der Woche, 29.04.2013: Barbarei

Montag 29. April 2013 von Ш.Ю. Голц

Ersetzen wir in dem folgenden Zitat Charles Darwins das Wort "Stamm" mit einem beliebigen modernen Kollektivbegriff, z.B. "Nation", so erhalten wir ohne weiteres einen Epochen und Kulturen übergreifenden Begriff der Barbarei. Es zeigt auch, warum eine reine Gefühlsethik immer scheitern wird. Vor diesem Hintergrund erscheint Mussolinis Appell an die "Leidenschaftlichkeit" nur konsequent.

„Wir haben nun gesehen, dass Handlungen von Wilden für gut oder schlecht gehalten werden und wahrscheinlich auch von dem Urmenschen so betrachtet wurden, nur insoweit sie in einer auffallenden Weise die Wohlfahrt des Stammes, nicht nur die der Art, ebensowenig wie die des Menschen als individuelles Mitglied des Stammes betreffen.

Diese Folgerung stimmt sehr gut mit dem Glauben überein, dass das sogenannte moralische Gefühl ursprünglich den sozialen [Trieben] entstammte; denn beide beziehen sich zunächst ausschließlich auf die Gesellschaft.

Die hauptsächlichsten Ursachen der niedrigen Moralität Wilder, wenn sie nach unserem Maßstab beurteilt wird, sind:

1. Die Beschränkung der Sympathie auf denselben Stamm.

2. Unzureichendes Vermögen des Nachdenkens, so dass die Beziehungen vieler Tugenden, besonders der das Individuum betreffenden, zu der allgemeinen Wohlfahrt des Stammes nicht erkannt werden. So erkennen z.B. Wilde die mannigfachen Übel nicht, welche einem Mangel an Keuschheit, Mäßigung usw. folgen.

3. Die Schwache Entwicklung der Selbstbeherrschung [...], denn dieses Vermögen ist noch nicht durch lange fortgesetzte, vielleich ererbte Gewohnheit, durch Unterricht und Religion gekräftigt worden.“ [1]

[1] Charles Darwin: "Die Abstammung des Menschen", Paderborn 2009, S. 131.


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