Die Linke.SDS Köln

Klassiker-Kurzvorstellung

Sonntag 26. Juni 2011 von SDS Kölle

Hier werden von uns empfohlene Texte kurz vorgestellt: Marx, Engels, Lenin, Luxemburg, Lukacs, Kofler, Kurz, Fromm etc.

„Gegen Klassenkampf und Materialismus! Für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe den Flammen die Schriften von Marx und Kautsky!“ – Manch einer bedurfte erst der Bücherverbrennung der Nazis, um den Wert marxistischer Literatur zu erkennen. In dieser Rubrik finden sich nicht wenige Schriften, die damals auf der Verbotsliste standen.

Engels: "Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft"

Engels geht auf die Anfänge der sozialistischen Ideen ein, die noch utopisch waren, da sie keinen ökonomisch begründeten Weg zum Sozialismus aufweisen konnten. Im Anschluss erklärt er den Ursprung des Marxismus aus dem Zusammenfluss dieses meist französischen Sozialismus, der klassischen britischen Nationalökonomie und der klassischen deutschen Philosophie in Marx. Marx entwickelte daraus den "wissenschaftlichen Sozialismus", der anhand sozialer bzw. ökonomischer Bedingungen die Möglichkeit einer sozialistischen Gesellschaft aufzeigt und verfolgt.

Lenin: "Der linke Radikalismus - die Kinderkrankheit des Kommunismus"

Lenin setzt sich in dieser Schrift mit den bolschewismuskritischen "radikalistischen" Kommunisten in Holland und Deutschland auseinander. Er will aufweisen, wieso der Bolschewismus den "radikalistischen" Kommunisten gegenüber Recht hat und worin deren Fehler liegen. Die zentrale Frage ist dabei die Arbeit von Kommunisten in Parteien, Gewerkschaften und Parlamenten, die vom "Radikalismus" abgelehnt wird, von Lenin dagegen verteidigt wird.

Lenin: "Staat und Revolution"

Lenin zeigt im Anschluss an Marx und Engels, dass der Staat immer Produkt der Klassengesellschaft war und dass es das Ziel der Marxisten sein muss, den Staat loszuwerden. "Die Diktatur des Proletariats" ist nicht etwa eine brutale terroristische Diktatur wie sie in diversen "sozialistischen" Staaten durchgeführt wurde. Sie ist vielmehr die konsequente Ausweitung der Demokratie, sodass sie nicht bei der Abgabe eines Wahlzettels alle paar Jahre endet, sondern eine alltägliche Angelegenheit der großen Mehrheit der Bevölkerung wird, die die gesamte Gesellschaft immer weiter bewusst selbst verwaltet. Der Umschlag dieser Demokratisierung der Staatsmacht ist zugleich der revolutionäre Prozess zum "Absterben" des Staates.

Luxemburg: "Massenstreik, Partei und Gewerkschaften"

Anhand der revolutionären Entwicklung in Russland bis zur ersten Russischen Revolution 1905 erläutert Luxemburg, wie die Dialektik aus politischen und ökonomischen Forderungen der arbeitenden Massen zum Massenstreik geführt haben. Diesen betrachtet sie als die Revolution selbst, die keiner kontrollieren könne:

"Wenn uns also die russische Revolution etwas lehrt, so ist es vor allem, daß der Massenstreik nicht künstlich ’gemacht’, nichts ins Blaue hinein ’beschlossen’, nicht ’propagiert’ wird, sondern daß er eine historische Erscheinung ist, die sich in gewissem Moment aus den sozialen Verhältnissen mit geschichtlicher Notwendigkeit ergibt."

Dennoch sieht sie die wichtigen Rollen, die Revolutionäre, Parteien und Gewerkschaften innerhalb dieser historischen Erscheinung spielen und betont die Wichtigkeit bewussten Eingreifens. Nebenbei kritisiert sie die idealistischen Ansichten von Anarchisten und gewissen Sozialdemokraten ihrer Zeit im Bezug auf den Massenstreik, den bewussten Eingriff und die Organisationsfragen.

Luxemburg: "Sozialreform oder Revolution"

In diesem Text zeigt Rosa Luxemburg, dass Reform und Revolution sich nicht ausschließen, sondern einander bedingen. Viele fortschrittliche Reformen können zur Revolution umschlagen, wenn die notwendigen Bedingungen dafür vorhanden sind. Der Revolutionär muss entsprechend für Verbesserungen im "Hier und Jetzt" kämpfen, aber darf das Ziel der Revolution dabei nie vergessen. Der Kampf um Verbesserungen durch Sozialreformen ist für sie vor allem aber deswegen entscheidend, weil dieser Kampf Bewusstsein bildet, Bewusstsein für die eigenen Klasseninteressen und für die Notwendigkeit der Ausweitung der Reformen zum Umsturz. Sie geht dabei hauptsächlich auf die revolutionsfeindlichen Ansichten von Bernstein ein, für den das Ziel des Sozialismus Nichts, während die bloßen Reformen Alles für ihn waren.

Lukacs: "Geschichte und Klassenbewusstsein. Studien über marxistische Dialektik"

Eines der bedeutendsten Werke des Marxismus im 20. Jahrhundert und das bedeutendste für den so genannten "westlichen" bzw. "Hegel-Marxismus". Lukacs versucht, zentrale Begriffe bei Marx wie Totalität, Verdinglichung, Praxis, Klassenbewusstsein und Dialektik wieder in den Marxismus einzugliedern und systematischer als bisher zu diskutieren. Er verweist dabei u.a. auf Rosa Luxemburg, Lenin und Hegel.

Kofler: "Stalinismus und Bürokratie"

Stalinismus und Bürokratie ist eine frühe Schrift marxistischer Stalinismuskritik, die sich von der Stalinismuskritik Trotzkis durch größere Konzentration auf die ideologische Selbsttäuschung der Bürokratie und das „bürokratische Bewusstsein“ unterscheidet. Das Buch besteht aus zwei Texten Koflers: Das Wesen und die Rolle der stalinistischen Bürokratie und Marxismus und Sprache.

Ziel des ersten Textes ist es, die „Widersprüche in der Erscheinungsweise der stalinistischen Bürokratie auf dem Wege der Aufdeckung ihrer Gründe als notwendige Einheit nachzuweisen und damit die letzte, wesenhafte Bedeutung der widersprüchlichen Elemente selbst zu entschleiern“. Auch in dieser Schrift ist es ein besonderes Anliegen Koflers, das Wesen der sozialen Erscheinungen aufzudecken, um es verständlich zu machen, während er an der üblichen wissenschaftlichen Methode kritisiert, nur kompilativ und oberflächenhaft vorzugehen. Zentraler Widerspruch der stalinistischen Bürokratie ist für Kofler der Widerspruch zwischen ihrem marxistischen Selbstverständnis und ihrer bürokratischen, antidemokratischen und terroristischen Praxis. Während die liberale Kritik am Stalinismus dessen Praxis zumeist aus der marxistischen Theorie ableitet, erklärt Kofler die unmarxistische Praxis und Theorie des Stalinismus aus den konkreten gesellschaftlichen Verhältnissen im Anschluss an die Oktoberrevolution:

„Aber gerade in Rußland, wo unter der Voraussetzung der mangelnden demokratischen Tradition und des Fehlens einer entwickelten Industrie sich die bürokratische Selbstherrlichkeit mit der Sucht, ohne Rücksicht auf die menschlichen Bedürfnisse zu akkumulieren, verband, konnte die typisch stalinistische Bürokratie entstehen.“

Andererseits sieht Kofler keinen direkten Zusammenhang zwischen Planwirtschaft an sich und Bürokratisierung, wenn er schreibt:

„denn erstens war selbst in Rußland die Ausartung des Bürokratismus in eine heillos terroristische Diktatur vermeidbar und zweitens war es durchaus möglich, diese allmählich abzubauen, statt sie zu steigern.“

Vielmehr habe sich eine historische Möglichkeit wegen der Schwäche der demokratischen Kräfte durchgesetzt:

„Ohne die direkte Anteilnahme der demokratischen Kräfte des Volkes an der Regierung und ohne direkte demokratische Kontrolle durch das Volk muß jede Planwirtschaft bürokratisch entarten; bei Vorhandensein dieser Kräfte und einer solchen Kontrolle kann die Planwirtschaft nicht bürokratisch entarten“.

Der Artikel Marxismus und Sprache ist eine polemische Antwort auf Stalins Untersuchung Über den Marxismus in der Sprachwissenschaft. In diesem Text versucht Kofler nachzuweisen, dass Stalins Ansichten über die Sprache äußerst formalistisch und im Widerspruch zur marxistischen Auffassung stehen. Formalistisch seien Stalins Ansichten deswegen, weil er nur die rein technische Seite, ihre Grammatik etc. betrachte, aber die inhaltliche Seite, ihre Bedingtheit durch Ideologie und ihre Verwurzelung in konkreten gesellschaftlichen Verhältnissen völlig ignoriere. Deswegen sei Stalins Auffassung auch unmarxistisch. Vielmehr falle Stalin weit hinter den Marxismus und die Sprachwissenschaft zurück und lande bei mechanischem Materialismus einerseits und plattem Idealismus andererseits.

Kofler: "Geschichte und Dialektik"

Geschichte und Dialektik ist ein auf Basis des Marxismus aufbauender „Versuch, die Geschichtswissenschaft erkenntnistheoretisch zu unterbauen“. Dieser Versuch mündet im Wesentlichen in eine „verstehende“ Darstellung der Entwicklung des philosophischen Denkens vom subjektiven Idealismus Fichtes über den objektiven Idealismus Hegels und den Materialismus Feuerbachs zum historischen Materialismus von Marx.

Kofler: "Der asketische Eros"

Leo Kofler stellt in diesem Werk seine Kombination aus historischem Materialismus und dialektischer Anthropologie dar. Die Anthropologie sei demnach als notwendige Vortheorie des historischen Materialismus zu begreifen, da sie den historischen Begriff des Fortschritts erst legitimiert, sie liefert den Maßstab für Gesellschaft und Geschichte. Der historische Materialismus wiederum sei als Gesellschaftswissenschaft zum Verständnis der konkreten Ausformung des Fortschritts in der Geschichte zu begreifen. Fortschritt sei die Erreichung immer höherer Stufen der menschlichen Freiheit in der Geschichte. Die Freiheit aber sei die angestrebte Selbstverwirklichung des Menschen, das harmonische Zusammenspiel von aktivem Tun und angestrebtem Genuss, oder in Koflers Worten: der "spielende Mensch". Gemessen an dieser humanistisch-marxistischen Theorie werden in dem Werk konkrete Probleme der Ideologie in der bürgerlichen Gesellschaft und ihre Auswirkungen auf die Freiheit des Menschen dargestellt.


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